Manuelle Lymphdrainage in der Zahnheilkunde






Hallo und willkommen zu einer neuen Episode von ElmarsToothTalk.

Das Lymphsystem ist neben dem Blutgefäßsystem ein wichtiger Bestandteil des Entgiftungs- und Entsorgungs-Systems unseres Körpers.

Was ist eine Lymphe?
Die Lymphe, auch Gewebswasser genannt, wird aus dem Blut durch feinste Blutgefäße in die Lymphgefäße gefiltert. Lymphbahnen durchziehen den ganzen Körper und Lymphe endet letztendlich wieder im Blutgefäßsystem. Lymphe enthält Salze, Glukose und Enzyme. Auch Eiweiße und Fette sowie Immunzellen können beim Transport hinzukommen.

Die Lymphe fließt auf ihrem Weg durch viele Lymphknoten. Lymphknoten filtern Bakterien, Viren, Zelltrümmer und andere Abfallstoffe aus der Flüssigkeit heraus. Das Lymphsystem steuert unsere Immunabwehr.

Was sind Lymphknoten und wofür dienen sie?
Lymphknoten sind eine Art Filter für Giftstoffe und Abbauprodukte. Lymphknoten schwellen an, wenn die Menge der Abbauprodukte eine bestimmte Menge überschritten hat. Lymphknoten kommen im gesamten Körper vor. Auch im Kopfbereich gibt es eine Reihe von Lymphknoten, die z.B. bei Entzündungen der Zähne, des Kiefers, der Nasennebenhöhlen reagieren

Was ist Lymphdrainage?
Lymphdrainage ist eine physiotherapeutische Behandlungsform, die an allen Körperregionen anwendbar ist. Sie wird vor allem an Stellen genutzt, wo es infolge von Krankheit oder äußeren Einflüssen zu einer Durchblutungsstörung mit der Folge einer lymphatischen Abflussstörung kommt. Das sichtbare Zeichen einer Lymphabflußstörung ist die Gewebsschwellung.

Wie kam es zur Entwicklung der Lymphdrainage?
Die ersten Untersuchungen zur Funktion der Lymphgefäße wurden um 1909 von Professor Földi in Freiburg im Schwarzwald angestellt. In den 30-er Jahren arbeitete das dänische Ehepaar Vodder als Masseure an der Cote d`Azur in Frankreich. Sie stellten fest, dass viele ihrer Patienten, die an Atemwegserkrankungen und damit einhergehenden geschwollenen Halslymphknoten litten mit streichenden Bewegungen welche die Schwellungen lösten, geholfen werden konnte. Bis zu dieser Zeit war die ärztliche Meinung, dass Lymphknoten, besonders wenn sie geschwollen sind, unter keinen Umständen berührt werden dürfen. Mit kreisenden, pumpenden und streichenden Bewegungen konnte das Ehepaar Vodder die Stauungen in den Lymphkoten zum Auflösen bringen. Durch diesen Erfolg beflügelt begann Vodder auch Lymphknoten anderer Körperbereiche zu behandeln und hatte dabei ebenfalls guten Erfolg.

Anerkennung der manuellen Lymphdrainage als eigenständige Behandlungsform:
In der Welt der etablierten Mediziner galt die Entdeckung des Nichtmediziner Vodder natürlich anfangs so gut wie gar nichts. 1936 stellte Vodder seine Behandlungsmethode in Paris erstmals einem größeren Publikum vor. Es dauerte jedoch noch viele Jahre bis sich die neue Technik verbreitete. So fand erst 1958 in Deutschland die erste Ausbildung in manueller Lymphdrainage statt. In den 1960-er Jahren kam der Allgemeinmediziner Dr. Johannes Asdonk aus Essen mit der manuellen Lymphdrainage in Kontakt und integrierte sie erfolgreich in seine Behandlungen. 

Im Jahr 1967 gründeten Vodder, Asdonk und der Masseur Günther Wittlinger die Gesellschaft für manuelle Lymphdrainage nach Dr. Vodder. Diese Gesellschaft wurde 1976 in die „Deutsche Gesellschaft für Lymphologie“ umbenannt.

1969 gründete Dr. Asdonk in Essen eine Schule zur Ausbildung in manueller Lymphdrainage und 1972 eröffnete er im Schwarzwald die weltweit erste Fachklinik für manuelle Lymphdrainage.

Schon zwei Jahre später, 1974, wurde die manuelle Lymphdrainage wegen ihrer hervorragenden Erfolge in den Katalog der kassenärztlichen Leistungen aufgenommen. Somit hatte sich dann die manuelle Lymphdrainage als selbstständige Behandlungsform in der Medizin etabliert. Dies war vor allem ein Verdienst von Dr. Asdonk und seinem Kollegen Michael Földi, die durch ihre Ausbildungsschulen für eine Verbreitung der manuellen Lymphdrainage sorgten.

Ziel der Therapie:
Ziel ist die verbesserte Lymphtransportkapazität, das Entstauen von Körperregionen, Schmerzfreiheit und verbesserte Eigenmotorik der Lymphgefäße. Es kommt dabei auch zur Lockerung und Entspannung der Muskulatur. In erster Linie gilt die manuelle Lymphdrainage jedoch der Behandlung von Ödemen, das sind Ansammlungen von wässriger Flüssigkeit in Haut oder Schleimhaut und bevorzugt im Bindegewebe. Patienten spüren schon während der Behandlung eine Erleichterung. Gleichzeitig entsteht durch die Entstauung und Entgiftung des Gewebes am ganzen Körper eine tiefe Entspannung.

Ablauf einer Behandlung:
Im Gegensatz zur herkömmlichen Massage beruht das Prinzip der manuellen Lymphdrainage auf einer bestimmten Grifftechnik. Rhythmisch - kreisende-pumpende Griffe meist mit flachem Auflegen der Finger bzw. Hände arbeiten mit fein dosiertem Druck. Je nach Krankheitsbild gibt es eine festgelegte Reihenfolge dieser Griffe.

Einsatzgebiete der Lymphdrainage in der Zahnheilkunde:
Gerade am Kopf hat eine Entstauung durch die Lymphdrainage eine wohltuende und entspannende Wirkung. Auf ganz sanfte Weise wird so die Regulationsfähigkeit des Organismus verbessert.  In der Zahnheilkunde gibt es viele Einsatzgebiete, bei denen die Lymphdrainage unterstützend wirken kann.

Beispiele hierfür sind:

  • Durchbruchsstörungen von Zähnen
  • Als Begleitbehandlung bei der Kieferorthopädie, zum Beispiel bei Zahnengstände,
  • Nasenatmung
  • Zahnfleischentzündung
  • Nach Kieferoperationen, Zahnextraktionen, überhaupt chirurgischen Eingriffen
  • Bei Schwellungen nach Kieferoperationen
  • Zur Schmerzlinderung, evtl auch bei Trigeminus-Neuralgie
  • Kiefergelenkserkrankungen
  • Bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen
  • Bei Tinnitus
  • Verspannungen der Kau- und Nackenmuskulatur
  • Wenn eine reduzierte Wundheilung zu erwarten ist. Zum Beispiel bei Patienten mit Diabetes, starke Raucher, Blutgerinnungsstörungen

 

Wann sollte die manuelle Lymphdrainage nicht angewendet werden?

Bei Patienten...

  • ... mit unklaren bösartigen Tumoren
  • ... mit akuten bakteriellen Entzündungen im Kopfbereich
  • ... mit Schilddrüsenfunktionsstörungen


Was ist nach einer manuellen Lymphdrainage zu beachten?
Eine Behandlung mit manueller Lymphdrainage dauert zwischen 15 und 60 Minuten dabei wird der Stoffwechsel also nachhaltig und tiefgreifend aktiviert. Das Lymphgefäßsystem durchzieht, wie Du ja schon gehört hast den gesamten Körper. Deshalb kann die Behandlung eines Beins Symptome an anderen Stellen des Körpers zur Folge haben.

Durch diese Stoffwechselaktivierung kann es nach der Behandlung zu folgenden Symptomen kommen:

  • Vermehrtes Wasserlassen
  • Vermehrter Durst
  • Kopfschmerzen
  • Kribbeln in den Armen oder Beinen
  • Erhöhte Müdigkeit


All diese Symptome sind ein Zeichen dafür, dass der Stoffwechsel tatsächlich durch die Behandlung aktiviert, die Lymphflüssigkeit zur Ausscheidung angeregt und der Gefäßdurchfluss gesteigert wurde. Eine ausreichende Wasserzufuhr und dem Körper die notwendige Entspannung ermöglichen helfen bei der Regeneration.

Manuelle Lymphdrainage bei Kindern:
Kinder, die sehr oft unter Nasen- Ohren- oder Rachenraum-Infektionen leiden, sprechen meist sehr gut auf die manuelle Lymphdrainage an, denn bei ihnen ist das Lymphsystem, oft durch die Mundatmung bedingt, geschwächt. Auch bei kieferorthopädischer Behandlung wirkt die manuelle Lymphdrainage unterstützend.So wir sind wieder mal am Ende des Podcasts angelangt.

Vielen Dank für´s Zuhören und bis zum nächsten Mal.

Ich bin Dr. Elmar Jung mit dem Podcast für Deine beste Gesundheit

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