Die Kunst des Zähneknirschens

Schwerstarbeit in der Nacht




Hallo und willkommen zu einer neuen Episode von ElmarsToothTalk. Heute geht es um das Thema Zähneknirschen.

Das Kausystem:
Bevor wir uns heute über das Knirschen unterhalten, möchte ich zum besseren Verständnis zuerst über den Teil unseres Körpers sprechen der das Knirschen überhaupt erst ermöglicht. Das ist unser Kausystem.

Das Kausystem selbst besteht aus verschiedenen Teilen.

Hierzu gehören:

  • die Zähne
  • die Kieferknochen
  • das Zahnfleisch
  • die Kiefergelenke
  • die Muskeln
  • die Bändern und Sehnen


Diese Teile unseres Kausystems helfen uns nicht nur beim Knirschen sondern sie unterstützen uns in ihrem Zusammenspiel, dass wir Atmen, Kauen und Schlucken können, und dass unsere Körperhaltung stabil ist. Damit das Kausystem als Ganzes optimal funktioniert müssen natürlich auch die Einzelteile des Systems einwandfrei funktionieren.

Symptome einer Funktionsstörung:
Da oftmals nicht jeder Bestandteil des Kausystems einwandfrei funktioniert, schauen wir uns einmal an welches Element des Kausystems welche Symptome der Funktionsstörung aufweisen kann. Bei den Zähnen sind das zum Beispiel, abgenutzte Zähne, Risse im Zahn, übermäßig bewegliche Zähne oder auf Temperatur empfindliche Zähne. 

Beim Kieferknochen wäre als erstes der Knochenabbau zu nennen und beim Zahnfleisch Schwund oder Entzündung. Beim Kiefergelenk sind es zum Beispiel Schmerzen im Gelenk oder den Ohren, Ohrgeräusche (der sogenannte Tinnitus), klicken der Kiefergelenke. Bei den Muskeln dann Verspannungen oder Krämpfe bis hin zu Kopfschmerzen und Migräne oder auch Nacken und Schulterschmerzen oder Verspannungen. Und bei den Bändern und Sehnen ebenfalls Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Wieso knirschen schon Kleinkinder?
Knirschen ist ganz und gar nicht ein Privileg von uns Erwachsenen. Wer selbst Kinder weiß das sehr wahrscheinlich aus eigener Erfahrung. Wenn es denn des Nachts aus dem Kinderzimmer lärmt und der Nachwuchs mit einer Intensität die Zähne gegeneinander reibt, dass wir denken, wenn das so weitergeht fallen die Zähne aus oder brechen zumindest bald ab.

Schauen wir uns einmal genauer an, warum eigentlich was dahintersteckt, dass schon die Jüngsten mit dem Knirschen beginnen.

Solange das Verhältnis von Ober- und Unterkiefer in diesem jungen Alter nahe dem Idealzustand ist, kann man davon ausgehen, dass es sich beim nächtlichen Knirschen des jungen Nachwuchses um die Feinjustierung der einander gegenüberstehenden Zähnchen handelt und somit also keinen Grund zur Sorge darstellt.

Nur, wie häufig ist dieser Idealzustand tatsächlich heutzutage noch vorhanden? Zieht man in Betracht, wie viele Kinder in kieferorthopädischer Behandlung sind, dann muss man zum Schluss kommen, dass die meisten weit entfernt von diesem Zustand sind.

Was hat die kieferorthopädische Behandlung mit Knirschen zu tun?
Hinzu kommt, dass die herkömmliche Kieferorthopädie mit ihren Bögen, Bändern und Brackets am Warum und Wieso der zugrundeliegenden Problematik vorbei behandelt. Wenn heute ein Kind ohne kieferorthopädische Behandlung durchs Leben kommt, dann ist das eher die Ausnahme als die Regel und sollte uns allen Anlass zum Nachdenken geben.

Wie ich schon in Episode 19 und 20 über ganzheitliche Kieferorthopädie diskutiert habe, liegen die Hauptgründe für eine kieferorthopädisch notwendige Behandlung zumeist an den fatalen Folgen unserer sogenannten Zivilisationskost und dem Mangel an genügend langem Stillen. Dadurch werden die normalerweise rund ausgeformten Kieferbögen spitz zulaufend und die oftmals mit einhergehende Mundatmung sorgen dann dafür, dass die Zähne nicht mehr ideal aufeinanderpassen und deshalb durch kieferorthopädische Behandlung sozusagen zurecht gerückt werden.

Ganz kurz möchte ich nochmals die schon in früheren Episoden angesprochenen Erkenntnisse von Dr. Weston A. Price erwähnen, die er mit anderen Kulturkreisen erlebt hat, die noch nicht mit unserer Industriekost in Berührung gekommen sind und die Zahnkaries, Zahnfleischentzündungen, vor allem aber Zahnengstände und Kieferverformungen überhaupt nicht kennen. Sobald sie aber in Kontakt damit kommen, verändert sich dies innerhalb einer Generation schlagartig.

Vielleicht spielt hierbei ja auch eine Rolle, dass durch die meist von der Krankenkasse bezahlte Behandlung, die Eigeninitiative und Selbstverantwortung der Eltern leidet und die Prophylaxe nicht des Zähneputzens aber der richtigen Zahnentwicklung einen eher hinteren Rang in der Prioritätenliste einnimmt?

Das Wunder eines gesunden un-zerknirschten Zahnes:
Wenn wir einen gesunden, also karies- und füllungs-freien Zahn anschauen, dann ist das ein richtiges Kunstwerk, was die Natur da erschaffen hat. Mit seinen Höckern, Abhängen und Spitzen, seinen Tälern und kleinen Rillen erscheint ein Seitenzahn in wunderschönem Glanz. Dieses Wunderwerk der Natur wird durch das Knirschen planierraupenartig platt gemacht. Hier kommt zutage, wie Derjenige der sich im Außen nicht ausleben kann, seine Emotionen im Innen zu verarbeiten sucht und dies kennt dann auch vor der härtesten Substanz unseres Körpers, dem Zahnschmelz, kein Erbarmen. An den Zähnen selbst gehen die Knirscher-Spuren natürlich auch nicht im wahrsten Sinne spur-los vorbei. Man erkennt spiegelglatte Flächen auf denen sich die Zähne gegenseitig reiben und diese Flächen durch das Knirschen auf Hochglanz polieren.

Wenn der Zahnarzt noch mit ins Spiel kommt:
Im medizinischen Sprachgebrauch heißt das Knirschen übrigens Bruxismus. Oftmals haben auch wir Zahnärzte die Hände im Spiel, wenn es zum Knirschen kommt. Dann nämlich, wenn wir Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen eingliedern, die nicht ideal dem Biss des Patienten angepasst sind. Dies fühlt sich dann für den Patienten etwas „hoch“ an oder einfach anders als vorher. Manchmal wird das dann auch beim seitwärts-oder vorwärts bewegen des Unterkiefers bemerkt.

Anstelle sich hier auf den oft vom Zahnarzt ermutigend zu hörenden Satz „daran werden Sie sich schon gewöhnen“ oder „das beißt sich schon noch ein“ zu verlassen, wäre eine genaue Nachschau der diesem Gefühl zugrundeliegenden Ursache hilfreich. Ansonsten versucht das Kausystem diesen Fehlkontakt zu beseitigen, was oftmals ein Knirschen verursacht.

Wenn die Zähne nicht in Harmonie mit einander stehen kann es auch zu muskulären Verspannungen im Kieferbereich kommen. Diese Verspannungen oder die mangelnde Balance kann sich dann auch fortsetzen in den Hals- und Nackenbereich. Manchmal sogar bis in die Hüfte, sodass hier ein Beckenfehlstand, eine Beinlängendifferenz entsteht, die allein durch den falschen Biss verursacht wurde.

Da braucht es dann wieder einen über den Tellerrand hinausschauenden Behandler, ob Orthopäde oder Physiotherapeut, der diese Zusammenhänge kennt, diese Fehl-Haltung diagnostizieren und über die entsprechende Ursachenbeseitigung aufklären kann. Auch das Kiefergelenk kann unter einer solchen Dis-Harmonie leiden und mit Schmerzen, Klicken oder Reibgeräuschen reagieren.Folgen dieser fehlenden Balance zwischen den Zähnen können von Kopfschmerzen über Nervenschmerzen bis hin zu Durchfall reichen. Im ungünstigsten Fall kann ein durch dieses Ungleichgewicht überlasteter Zahn auch absterben.

Der Grad der Abnutzung oder Abrasion ist jedoch kein Hinweis für den Schweregrad des Knirschens.

Vielfach haben Menschen ihre Zähne ziemlich weit, manchmal sogar bis auf das Zahnfleisch abgekaut und haben dennoch keine subjektiven Symptome. Während andere schon beim geringsten Abrieb ganz empfindlich reagiere und ihre Zähne frühzeitig ganz empfindlich auf kalt reagieren.

Auch hier kommt wieder zum Tragen, was schon in verschiedenen Podcasts angesprochen wurde. Jeder von uns hat ein individuelles Maß an Kompensationsfähigkeit. Des einen Fass ist erst halb voll und kann daher noch viel an Belastung aufnehmen, während des anderen Fass nahe am Überlaufen ist und damit schon der kleinste Anlass ein Überlaufen verursachen kann und damit Symptome verursacht.

Psycho-Emotionale Gründe, die zum Knirschen führen:
Außer den bisher beschriebenen Gründen sind es auch vielfach nicht ausgelebte psychische Belastungen, die hinter dem unbewussten Zusammenpressen der Zähne stehen. Im Schlaf versucht unser Gehirn Tageseindrücke, Stress, Sorgen und Ängste zu verarbeiten und Lösungen für die Probleme zu finden. Im Schlaf wandern diese Probleme sozusagen  "vom Gehirn in den Kiefer" und werden im wahrsten Sinne des Wortes nochmals "durchgekaut".

Die Ursachen dafür sind vielfältigster Natur und reichen von Leistungsdruck bei der Arbeit Partnerschaftskonflikten, Mobbing, finanziellen Problemen über alte Glaubenssätze und unverarbeitete Probleme bis hin zu unterdrückten Gefühlen und Traumata und vielen anderen Gründen mehr.

Wie wird man das Knirschen wieder los
Wie Dr. Dietrich Volkmer in seinem Buch „Die Kunst des Knirschens“ so schön schreibt, die Kunst des Knirschens ist, es nicht zu tun. Vom Zahnarzt wird im Fall des Knirschens eine Knirscherschiene empfohlen. Diese soll dafür sorgen, dass das Knirschen nicht mehr auf den eigenen Zähnen sondern nunmehr auf der Schiene geschieht und somit den Zähnen weiterer Abrieb erspart bleibt. Das funktioniert natürlich nur solange wie die Schiene auch getragen wird. Wer tagsüber knirscht hat wenig Beistand von einer nur nachts getragenen Knirscherschiene.

Die Knirscherschiene hat noch weitere Funktionen. Dadurch, dass die Zähne keinen direkten Kontakt mehr zu einander haben, können sich auch die Kaumuskeln etwas ent-spannen, wodurch sie mit mehr Blut und Sauerstoff versorgt werden. Und auch das Kiefergelenk erfährt eine Entlastung, da der Unterkieferanteil des Gelenks nicht mehr so fest den Oberkieferanteil gedrückt wird.

Letztendlich soll die Knirscherschiene eine Verhaltensänderung der Kiefermuskeln herbeiführen und den Teufelskreis von verspannter Muskulatur und Zähne knirschen durchbrechen.

Homöopathische Mittel können bei einem eher psychischen Hintergrund des Knirschens hilfreich sein, um Verspannung und Verkrampfung zu lösen oder zu vermindern. Hier ist dann der erfahrene Homöopath gefragt, der das ideale Mittel für seinen Patienten findet. Das klassische Mittel bei Krämpfen ist Cuprum metallicum. Cina, der Wurmsamen, hat sich bei nervösen und überempfindlichen Kindern bewährt, die nachts knirschen. Ein weiteres Mittel ist Zincum metallicum zum Beruhigen der Nerven.

Entspannungsübungen und autogenes Training können unterstützend wirken.

Was der nächtliche Knirscher selbst tun kann bevor er zu Bett geht:

Er kann seine Kaumuskeln mit einer warmen bis heißen Dusche gut durchbluten, die Kaumuskeln mit Magnesium-Öl massieren oder Magnesium als Nahrungsergänzung einnehmen.

Mit Hypnose können die zugrundeliegenden Ursachen aufgefunden und aufgelöst werden.

Eine weitere Möglichkeit wäre noch das Hinzuziehen eines erfahrenen Psychotherapeuten, der im Gespräch, dem Patienten oftmals unbewusste psychische Zusammenhänge aufdecken und bearbeiten hilft.

Auch der Volksmund hat zum Thema Zähneknirschen einiges Erhellendes in seinem Fundus zusammengetragen.

Hier ein paar Beispiele:

  • An dem (Problem oder Person) kann man sich die Zähne ausbeißen
  • Da musst du dich durchbeißen
  • Jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen


Deshalb frei nach Heinz Erhardt:

„Zähne hoch und Kopf zusammenbeißen“

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal.

Ich bin Dr. Elmar Jung mit dem Podcast für Deine beste Gesundheit.


 

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