Implantat oder Brücke?




Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von ElmarsToothTalk.

Wie wichtig Zähne für das Leben, für unser Wohlbefinden und auch unsere soziale Stellung sind wird oftmals erst wahrgenommen, wenn sie fehlen oder beginnen auszufallen.

Heute unterhalten wir uns deshalb über eine Methode, wie fehlende Zähne ersetzt werden können. Eine Methode, die seit den 1980-er Jahren zunehmend an Bedeutung in der zahnärztlichen Versorgung gewinnt und aus vielen Praxen nicht mehr wegzudenken ist.

Wir unterhalten uns über Implantate:
Im heutigen Podcast bekommst Du einen Überblick zur Geschichte der Implantate, welche Materialien für Implantate verwendetet werden, deren Einsatzgebiete, die Vor-und Nachteile von Implantaten und zum Abschluss berichte ich von meinen Erfahrungen mit Implantat-Patienten und wie sich Implantate auf deren Gesundheit ausgewirkt haben.

Viel Spaß beim heutigen Podcast.

Was ist denn überhaupt ein Implantat?
Das Wort Implantat kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie hineinpflanzen. Unter einem Implantat versteht man ein in den Körper eingepflanztes künstliches Material. Unterscheiden kann man Implantate in medizinische, plastische und funktionelle Implantate. Zu den medizinischen Implantaten gehören unter anderem der Herzschrittmacher, Gelenkersatz, wie künstliche Hüften oder auch Gefäßprothesen. Plastische Implantate sind am besten bekannt als Brustimplantate während funktionelle Implantate zum Beispiel der Überwachung von Tieren dienen und mit dem Einpflanzen von RFID (Radio-Frequency-identifiction) Chips einhergehen.

Wenn wir hier von Implantaten sprechen, dann sind immer zahnärztliche Implantate gemeint. Ein zahnärztliches Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel, die in den Kieferknochen eingebracht wird. Auf das Implantat wird dann der Zahnersatz, die sogenannte Suprakonstruktion, gesetzt Implantate werden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Das noch am meisten genutzte Material ist Titan, gefolgt von Zirkonoxid und neuerdings auch aus einer PEEK genannten Art Kunststoff. Bevor näher auf die einzelnen Materialien, die Vor- und Nachteile sowie gesundheitliche Betrachtungen eingehen, schauen wir uns kurz die Geschichte der zahnärztlichen Implantate an.

Geschichte der Implantate:
Der Ersatz fehlender Zähne durch die verschiedensten Materialien geht bis weit in die römische Antike zurück. Schädelfunde zeigen, dass bereits vor 2 -3000 Jahren geschnitzte Zähne aus Quarz, Elfenbein oder Holz verwendet wurden. Auch Menschen- oder Tierzähne wurden verwandt und durch Goldbänder wurden die fremden Zähne mit den eigenen verbunden. Als frühestes Zeugnis der Implantologie gilt der Ausgrabungsfund  ca. 600 nach Christus bei der mittelamerikanischen Hochkultur der Mayas eines Unterkieferfragments  dabei wurden zahnförmige Muschelstücke im Bereich der Frontzähne eingesetzt.

Als erste in den Kieferknochen eingesetzte Implantate zählen wohl die Versuche von Magiolos zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Magiolis schuf künstliche Knochenfächer und setzte dort Röhrchen aus Gold ein auf denen er einen Stiftzahn befestigte. Versuche mit Implantaten wurden mit den verschiedensten Materialien und Techniken unternommen. Jedoch blieb der erwartete Erfolg so gut wie immer aus. Der erste Durchbruch kam 1939 mit der von dem Amerikaner Alvin Strock entwickelten Kobalt-Chrom-Molybdän Schraube, die ähnlich einer Holzschraube konzipiert war. Von da an ging es Schlag auf Schlag und immer neuere Konzepte wurden entwickelt. So kamen 1962 Nadelimplantate, 1965 verbesserte Schraubenimplantate und 1968 Plattenimplantate auf den Markt.

Der Vater der modernen Implantologie:
Als Vater der modernen zahnärztlichen Implantologie gilt der schwedische Anatomie-Professor Per-Ingvar Branemark. Branemark kam eher zufällig zu seiner Entdeckung als er in 1960er Jahren bei Tierversuchen feststellte, dass das in den Knochen implantierte Titan mit dem Knochen verwuchs. Branemark prägte 1966 den Begriff der Knochen der Osseointegration, was soviel heißt wie Knocheneinheilung oder Knochenverankerung. Erst 1982 kam die wissenschaftliche Anerkennung für Branemark und seine Titanimplantate, Bis dahin wurde ihm von der schwedischen Zahnärzteschaft die Anerkennung verweigert, da er ja kein Zahnarzt sei und seine Methode weder neu dafür aber gefährlich, teuer, schmerzhaft und gefährlich sei.

Seinen ersten zahnärztlichen Patienten, den schwedischen Taxifahrer Gösta Larsson, der mit einer Kieferdeformation geboren wurde, versorgte Branemark 1965 mit vier Titanimplantaten. Diese vier Implantate dienten dann zur Aufnahme des Zahnersatzes aufgebaut, sodass Larsson zum ersten Mal in seinem Leben richtig essen und sprechen konnte. Larsson starb 2006 und hatte damit seine Implantate 40 Jahre lang komplikationslos im Knochen.

Implantologie in Deutschland:
Die Implantologie ist ein noch relativ junges Teilgebiet in der Zahnheilkunde. Erst 1970 wurde die Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Implantologie gegründet und 1989 kam es zur Gründung des Bundesverbandes der niedergelassenen implantologisch tätigen Zahnärzte. Allerdings ist die Beliebtheit dieser Disziplin schnell gewachsen und so implantieren heutzutage wohl an die 15 -20% aller deutschen Zahnärzte.

Implantologie-Pioniere:
Neben dem Schweizer Professor Sami Sandhaus war der 2008 verstorbene Hochschullehrer Professor Willi Schulte aus Tübingen mit seinen Forschungen über keramische Sofort-Implantate einer der Pioniere der Keramikimplantate. Andere Implantologen der ersten Stunde waren Zahnärzte wie Münch, Ledermann, Mutschelknauss, oder Brinkmann. Noch heute sind es noch vor allem in eigener Praxis niedergelassene Zahnärzte, die sich mit der Entwicklung eigener Implantat-Systeme einen Namen gemacht haben. Stellvertretend nenne ich zwei Kollegen, deren Systeme sehr erfolgreich und weit über die eigene Praxis hinaus bekannt wurden.

Dr. Axel Kirsch aus Filderstadt bei Stuttgart mit seinem IMZ Implantat aus Titan, das seit 1995 als Camlog-Implantat-System auf dem Markt ist und als Besonderheit eine Art Stoßdämpfer aufweist, der die Beweglichkeit des periodontalen Faserapparats simuliert, also der Struktur an dem der natürliche Zahn in seinem Zahnfach sozusagen aufgehängt ist. Und

Dr. Ulrich Volz aus Konstanz mit dem Z-System, neuerdings als SDS (Swiss Dental Solution) firmierend, das aus Zirkonoxid hergestellt wird.

Mittlerweile werden in Deutschland über 100 verschiedene Implantatsysteme angeboten.

Die meisten der heute verwendeten Systeme funktionieren nach dem Schraubenprinzip, das heißt das Implantat wird in den Knochen eingeschraubt anstatt eingeklopft oder nur hineingesteckt zu werden. Das neuartige WIN!® PEEK Implantatsystem geht hier andere Wege. Es wird nicht verschraubt, sondern ähnlich einem Dübel in den Knochen gesteckt.

Die Qual der Wahl: Titan, Zirkondioxid oder PEEK:
Grundsätzlich stehen drei Materialien in der Implantologie zur Verfügung. Titan, aus dem die ersten Implantate hergestellt wurden. Titan ist auch nach wie vor das Material das überwiegend verwendet wird. Zirkonoxid besticht vor allem durch seine verbesserte biologische Verträglichkeit und die weiße Farbe, hatte jedoch bis vor wenigen Jahren sehr mit Bruchanfälligkeiten zu kämpfen. Als new kid on the block in der zahnärztlichen Implantologie gilt PEEK, ein Hochleistungskunststoff, der schon lange in der Orthopädie und bei chirurgischen Instrumenten und Endoskopen zum Einsatz kommt, jedoch noch kaum Beachtung in der zahnmedizinischen Implantologie gefunden hat. Die Vorteile von PEEK liegen vor allem in seinen besseren mechanischen Eigenschaften, seiner Biokompatibilität. PEEK ist elastischer als Titan oder Zirkonoxid, ähnlich elastisch wie der Knochen.

Normalerweise übernimmt das Implantat einen großen Teil der mechanischen Belastung und entlastet so den Knochen, was zu einem Knochenabbau führen kann, da der Knochen mechanische Belastung braucht, um sich zu regenerieren und seine Festigkeit zu behalten. Hier ist die erhöhte Elastizität von PEEK von Vorteil, da sie den Knochen weniger von der mechanischen Beanspruchung entlastet. Auch kann PEEK spritzgegossen werden, was die Herstellungskosten vermindert. Viele Implantatsysteme arbeiten mit einer Oberflächenbearbeitung durch Anätzen, Sandstrahlung oder Plasmabeschichtung, um die Oberfläche zu vergrößern und somit einen besseren Halt zu gewährleisten.

Einteilig oder mehrteilige Implantate:
Implantatsysteme können auch dahingehend unterschieden werden, ob sie ein-teilig oder zwei-teilig funktionieren, wobei nach Ansicht vieler implantologisch tätiger Kollegen, sich die zweiteiligen Implantatsysteme verstärkt den Markt erobern. Dies vor allem deshalb weil bei einteiligen Zahnimplantaten der Implantatkopf aus dem Zahnfleisch herausragt und damit eine Belastung bevor das Implantat richtig eingeheilt ist oft nicht verhindert werden kann, was wiederum die Erfolgsaussichten schmälern kann.

Mit dem Einzug der Computertomographie in die Zahnheilkunde lassen sich die Kieferknochenverhältnisse genau vermessen. So kann die Position des Implantats vor dem Eingriff genau geplant werden und mit Hilfe von sogenannten Bohrschablonen, die individuell hergestellt werden, umgesetzt werden.

Wann werden Implantate eingesetzt?
Die Einsatzgebiete für Implantate sind sehr vielfältig. Am häufigsten kommen Implantate beim Ersatz von Einzelzähnen zum Einsatz. Auch als Brückenpfeiler oder zur Verankerung für Teil- oder Vollprothesen kommen sie in Frage.

Wie sieht es mit der Haltbarkeit von Implantaten aus?
Die Haltbarkeit von Implantaten ist ganz entscheidend abhängig von der Qualität des umgebenden Knochens, der Mundhygiene, der Ernährung und einer möglicherweise vorhandenen chronischen Grunderkrankung. Implantate sind sehr anfällig für bakterielle Infektionen und eine primär getreidehaltige Ernährung, wie sie in Deutschland nach wie vor vorherrschend ist, Deutschland gilt ja als Brotverzehr-Weltmeister, erhöht die Infektanfälligkeit. Auch muss eine exzellente Mundhygiene praktiziert werden, um zu verhindern, dass Bakterien durch das Zahnfleisch an das Implantat gelangen und so zu der gefürchteten Peri-Implantitis, also einer Entzündung um das Implantat herum, führen. Glaubt man den Statistiken so ist die Erfolgswahrscheinlichkeit von Implantaten sehr hoch und liegt bei  85-90% nach 5 Jahren. Die Frage ist natürlich, was man unter Erfolg versteht. Darauf kommen wir später noch zu sprechen.

Sofortimplantat oder Spätimplantat:
Bei den Implantat-Systemen wird zwischen Sofort- und Spät-Implantat unterschieden. Beim Sofortimplantat wird sofort nach der Entfernung eines kranken Zahnes ein Implantat gesetzt, während beim Spätimplantat der Knochen erst für einige Monate die Chance zur Ausheilung bekommt bevor das Implantat gesetzt wird. Befürworter der Sofortimplantation argumentieren, dass das Sofortimplantat die beste Vorgehensweise darstellt, weil damit der Knochen am besten erhalten werden kann. Dies spiele vor allem im Frontzahnbereich des Oberkiefers eine entscheidende Rolle, da hier die Knochenwände zur Lippe hin schon von Natur aus sehr dünn sind, was im Grunde für den gesamten Oberkiefer gilt. Der Unterkieferknochen hingeben hat eine wesentlich robustere Struktur.

Was sind die Vorteile der Implantate zu anderen Versorgungsmöglichkeiten

  • Der größte Vorteil besteht meines Erachtens darin, dass keine Nachbarzähne beschliffen werden müssen, wie das bei einer Brücke der Fall ist und somit der Restzahnbestand geschont wird. Dies ist vor allem dann von Vorteil, wenn die Nachbarzähne noch keinerlei Füllungen haben.

  • Implantate geben Prothesen einen besseren Halt und verringern somit den Druck der Prothese auf das Zahnfleisch.

  • Behauptet wird, dass es durch die Implantation zu einer Verringerung bis hin zum Stopp des Knochenabbaus im zahnlosen Kieferbereich kommt. Wie ich bei den Materialien diskutiert habe, ist das vor allem bei PEEK der Fall

  • Weitere Vorteile sind bessere Kaukraft, verbessertes Sprechen und ansprechendere Ästhetik im Vergleich zur Versorgung mit einer Prothese oder im Fall der Nichtversorgung.


Was sind die Nachteile oder möglichen Risiken bei einer Implantatversorgung

  • Es ist immer ein operativer Eingriff erforderlich

  • Es kann zur Verletzung von Nerven kommen. Dies ist vor allem bei der Implantation im Unterkiefer ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

  • Im Oberkiefer besteht das Risiko, dass die Kieferhöhle eröffnet wird

  • Implantate wachsen fest in den Knochen ein. Dadurch wird der Kaudruck nicht wie bei natürlichen Zähnen durch den Faserapparat abgefedert, was zu einer Be- oder Überlastung des Kiefergelenks führen kann und auch zum Knochenabbau.

  • Implantate sind relativ teuer

  • Wenn die Mundhygiene nicht optimal ist, ist das Implantat durch die schon erwähnte Implantitis gefährdet.

  • Und natürlich besteht die Gefahr der Lockerung und damit des Verlusts des Implantats durch Falsch- oder Überlastung

  • Rauchen erhöht das Risiko eines Misserfolges

  • Diabetiker müssen gut eingestellt sein

 
Drei oftmals wenig berücksichtige Faktoren sind

  1. Bei mehrteiligen Implantatsystemen besteht die Gefahr der Infektion schon allein in der Bauart der Implantate, da diese keine versiegelten Einheiten sind und so Bakterien in diese materialbedingten Spalten eindringen können.

  2. Normalerweise fließt um den Zahnhals konstant ein Fluid, der verhindert, dass Bakterien zwischen Zahnfleisch und Zahnwurzel eindringen können. Quasi ein natürlicher Abwehrmechanismus.

  3. Kein Implantat hat eine solche Schutzfunktion

  4. Oftmals werden Implantate in vorgeschädigten Knochen eingesetzt, was unter anderem zur Folge haben kann, dass die schon vorhandene Infektion oder die Bakteriengifte weiter im Körper verbreitet werden.

  5. Wenn Implantate und deren Kronen oder Brücken aus unterschiedlichen Materialien bestehen kommt es zwangsläufig, das ist das Faraday`sche Gesetz, zur Korrosion und damit gelangen Metallpartikel in den Körper.

 
Wann sollte von einem Implantat abgeraten werden

Hier stehen vor allem allgemeinmedizinische Bedenken im Vordergrund. So wird empfohlen auf ein Implantat zu verzichten bei starker Fettleibigkeit, bei einer Medikation mit Psychopharmaka, Immunsuppressiva oder Langzeitantibiotika. Auch Bluterkrankungen, Osteoporose oder Bestrahlung können Kontraindikationen darstellen. Und natürlich sollte auch bei einer schlechten Mundhygiene auf das Implantieren verzichtet werden, da hier der Verlust des Implantats schon fast vorprogrammiert ist.

Wieder einmal sind wir am Ende eines Podcasts angelangt.

Ich hoffe, ich konnte Dir einen ersten Überblick über das seht umfangreiche und auch nicht ganz unumstrittene Thema der zahnärztlichen Implantate geben.

Wenn Du Dich detaillierter über das Thema Implantate informieren möchtest, dann bietet Dir das Internet eine fast unerschöpfliche Quelle.

In der nächsten Woche berichte ich von meinen Erfahrungen mit Patienten, die zu uns in die Praxis kamen nachdem sie anderswo mit Implantaten versorgt worden waren und welchen gravierenden Einfluss dies für ihre Gesundheit hatte.

Alles Gute und bis zum nächsten Mal.

Ich bin Dr. Elmar Jung mit dem Podcast für deine beste Gesundheit.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zahnimplantat#Die_Entwicklung_im_20._Jahrhundert


 

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