Was ist bei der ganzheitlichen Kieferorthopädie anders? 




Hallo und herzlich willkommen.

Ich begrüsse dich zu einer neuen Folge, heute zum Thema Kieferorthopädie.

Kieferorthopädie ist der Bereich in der Zahnmedizin, der sich mit dem Geraderichten der Zähne befasst. Der Zahnarzt, der sich auf dieses Fach spezialisiert, wird Kieferorthopäde genannt. Strahlendes Lächeln mit gesunden, hell weissen und natürlich auch ganz geraden Zähnen, das ist es doch, wonach heutzutage gestrebt wird, das ist heutzutage das Schönheitsideal.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als meine Eltern mit mir zur Kieferorthopädin gingen, weil meine Zähne nicht genug Platz im Kiefer hatten. Damals hast du als Kind geweint, wenn du eine Spange bekommen musstest. Heute ist es fast umgekehrt und die Jugendlichen beklagen sich, wenn sie keine Spange bekommen. Verkehrte Welt. Laut Statistik hat heute fast jedes dritte Kind eine behandlungs bedürftige Kieferfehlstellung.

Was macht nun der Kieferorthopäde?
Nun Kieferorthopädie hat zum Ziel, Zahnfehlstellungen und Kieferfehlstellungen zu beheben und eine ideale Verzahnung von Oberkiefer und Unterkiefer zu erreichen. Und damit das optimale Funktionieren des Gebisses sicherzustellen. Kieferorthopädie ist also viel mehr als nur Zähne geraderichten. Soweit zumindest die Theorie. Heutzutage scheinen jedoch oft vor allem kosmetische Aspekte eine Rolle zu spielen und deshalb werden dann oft kerngesunde Zähne gezogen, was eigentlich nur in ganz vereinzelten Fällen notwendig wäre. Das Problem sind nämlich nicht zu grosse oder zu viele Zähne im Kiefer sondern ein zu kleiner Kiefer für die Zähne.

Bei der, nennen wir es mal klassischen Art der Kieferorthopädie, besteht die Behandlung allein in korrektiven Massnahmen anhand von Normwerten mit meist festsitzenden Apparaturen die lediglich eine Symptombehandlung im Mund darstellen. Wie es auch anders funktioniert zeigt sich in der ganzheitlichen Kieferorthopädie. Hier wird mit herausnehmbaren Spangen und meist ohne Zahnextraktionen gearbeitet. Der Zahnarzt bezieht dabei in seiner Diagnostik und Behandlung den gesamten Menschen ein.

Ein ganzheitlich arbeitender Kieferorthopäde schaut nicht nur darauf, wie die beiden Kiefer, der Unterkiefer und der Oberkiefer aufeinanderpassen. Er schaut sich die Haltung des Menschen an. Wie stehen Kopfhaltung, Wirbelsäule, die Schultern, die Hüften und die Beine zueinander. Ist zum Beispiel die eine Schulter höher als die andere, ein Bein länger als das andere, die Wirbelsäule verbogen.

Er schaut auch auf andere Faktoren die die Kieferausformung und die Zahnstellung beeinflussen, wie zum Beispiel: Veranlagung/Vererbung, Umwelt, Mundfunktionen, Körperbewegung und Körperhaltung, Psyche, Ernährung, Atmung, Sprache, Erkrankungen und Unfälle. Selbst eine traumatische Geburt oder eine ungünstige Lage des ungeborenen Kindes im Mutterleib können Kieferfehlstellungen begünstigen. Genauso kann früher Zahnverlust der Milchzähne zum Beispiel durch Karies ein Faktor sein, weil dadurch den bleibenden Zähnen die Orientierungspunkte oder ganz einfach der Platz fehlt.

All diese Faktoren gilt es vor einer Behandlung abzuklären, denn es macht unter ganzheitlicher Betrachtungsweise wenig Sinn nur die Zähne gerade zu richten, wenn die Kiefer nicht in Harmonie miteinander und dem Rest des Körpers stehen. Kieferorthopädische Fehlstellungen waren noch vor 200 Jahren fast völlig unbekannt und kamen erst auf mit der sogenannten modernen Zivilisationskost, allen voran mit Zucker und Weissmehl. Auch hier können wir wieder auf die Forschungen von Weston Price, den du ja nun schon aus früheren Podcast folgen kennst, schauen, die er in den 30-er Jahren veröffentlichte.

Er fand heraus, dass der Hauptfaktor für die Zahn- und Kieferfehlstellungen in der Fehlernährung durch ein zuviel an Zucker und Weissmehl liegt. Durch ein Zuviel an Zucker und Weissmehl übersäuern die Muskeln und verkrampfen. Verkrampfte Kaumuskeln wiederum  halten die Kieferknochen in einem engen Korsett und erlauben den Kieferknochen nicht sich natürlich zu entwickeln.

Weston Price konnte das bei den untersuchten Völkern genau feststellen. Sobald diese mit der modernen Ernährung in Verbindung kamen, entwickelten sich bei den Kindern Zahn- und Kieferfehlstellungen. Sobald diese wieder zu ihrer ursprünglichen Ernährung zurückkehrten war auch die nächste Generation wieder frei von Kiefer- und Zahnfehlstellungen und Karies. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Forschungen von Stanislaus Pazurek, der fand heraus, dass während der Kriegsjahre der Zahnverfall deutlich zurückging. Zucker und andere denaturierte Lebensmittel waren in Kriegsjahren Mangelware.

Wenn die Zähne nicht harmonisch aufeinander beissen, können die Folgen sehr weitreichend sein. Die Atmung kann genauso beeinflusst sein, wie das nächtliche Schlafen. Selbst vermeintlich völlig beziehungslose Symptome wie Bettnässen, Hyperaktivität, Probleme mit Ohren oder Augen, Kopfschmerzen, Beinlängenunterschiede oder Hüftprobleme können damit in Verbindung stehen.

Der gesamte Mundraum mit seinem Zusammenspiel von Zähnen, Kiefern, Gaumen, Wangen und der Zunge ist von ganz grosser Bedeutung für unser Wohlbefinden. Diese enge Verknüpfung von Mund und Gesamtorganismus bildet sich bereits im Mutterleib. Die unterschiedlichsten Entwicklungsvorgänge sind davon betroffen. Unsere Kommunikation, unsere Sprache, die Hand-Mund-Koordination, die psychische Verarbeitung von Eindrücken und alle sogenannten Grundfunktionen des Lebens wie Atmung, Abwehr, Verdauung, Haltung, Bewegung und natürlich der Stoffwechsel.

Als Vater der ganzheitlichen Kieferorthopädie gilt Professor Dr Dr. Balters, der in den 1950-er Jahren viel auf diesem Gebiet geforscht hat. Eine Kieferfehlstellungen ist nach Balters keine isoliert stehende Krankheit, sondern  Auslöser, Mittel- oder Endglied in einer Verkettung von Störungen des gesamten Organismus. Von Balters stammt auch der Satz:

„Jedenfalls gibt es keinen Fall von (Zahn-) Anomalie, dessen Wurzel nicht im Seelischen Bereich liegt.“

Bei der herkömmlichen Kieferorthopädie wird nun versucht durch mechanische Massnahmen und Zahnextraktionen Platz für Zähne in einem angeblich zu kleinen Kiefer zu schaffen und so eine in Anführungsstrichen „Harmonie“ zu erzwingen, die gar keine ist. Die Folge ist, dass viele Patienten, denen als Kinder Zähne wegen Engstands gezogen wurden über Schmerzen oder Einschränkungen in den Kiefergelenken, im Schulter-, Nackenbereich, der Hals- und Lendenwirbelsäule bis hin zu den Armen und Beinen und Füssen, klagen.

Nach Dr. Hubertus von Treuenfels, der seit über 30 Jahren ausschließlich nach einem ganzheitlich funktionellen Konzept behandelt sind Größe und Form unserer Kiefer nie „zufällig“. Seiner Ansicht nach „weiß“ jeder Zahn nicht nur wo, sondern auch wie er im Kiefer seine Funktion einnehmen muss. Jeder Zahn übernimmt dabei mehrere Dienste im Mundraum und hat damit eine wichtige Aufgabe innerhalb des gesamten Systems.

Neben seiner Rolle als Kau- oder Beißwerkzeug ist er vor allem in einer Stütz- und Haltefunktion an allen Mundbewegungen wie Saugen, Kauen, Schlucken, Atmen, Sprechen und auch bei jeder mimischen Gebärde beteiligt. Zähne zu ziehen mit der Begründung Platz zu schaffen, wie es in der herkömmlichen Kieferorthopädie praktiziert wird, bedeutet denn auch für Dr. Treuenfels nichts anderes, als eine weitere Störung und Disharmonie hinzuzufügen, der sich der Körper dann anpassen muss.

Ausserdem führt die Entfernung von Zähnen zu einem Kollabieren der Zahnbögen. Meistens werden dabei die ersten kleinen Mahlzähne, die sogenannten Praemolaren gezogen. Dies bedeutet, dass trotzdem die Zähne vorgeblich gerade aussehen, arbeiten sie nicht harmonisch mit den Kiefergelenken und den sie umgebenden Muskeln zusammen. Daraus wiederum können sich Probleme mit den Kiefergelenken entwickeln und durch die mangelnde Entwicklung der Zahnbögen kommt es dann sehr häufig zu sogenannten verlagerten Weisheitszähnen, Weissheitszähne, die im Knochen stecken bleiben und nicht an ihre natürliche Position kommen können, weil ihnen der Platz fehlt.

Eine weitere Folge fehlender Entwicklung der Kieferbögen ist mangelnder Raum für die Kieferhöhlen und der Fähigkeit zum Abfliessen. Das heisst Kieferhöhleninfektionen kommen häufiger vor und sie sind auch schwerwiegender, genauso Hals- und Ohrinfektionen. Dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit für Allergien. Selbst im erwachsenen Alter kann mit dem Erweitern der Zahnbögen oft eine dramatische Verbesserungen von Kieferhöhlen und allergischen Problemen erreicht werden, vor allem, wenn dies noch mit einer osteopathischen Behandlung kombiniert wird.

Weil die Osteopathie eine ganz wichtige Begleitbehandlung ist, widme ich ihr einen eigenen Podcast. Jeder einzelne Zahn stellt sich einzeln und in der Gesamtheit über die Verzahnung von Ober- und Unterkiefer in den jeweiligen Kiefer ein. So bestimmt das Gebiss die Funktionalität der Kiefergelenke und wirkt sich damit direkt auf den gesamten Halte- und Stützapparat aus. Genau wie sich die Veränderung der Statik zum Beispiel durch einen Senkfuß auf den Biss auswirken kann, beeinflusst umgekehrt der Biss auch die Statik. Aber Zähne und Kiefergelenke sind nicht nur an der Führung von Haltung und Bewegung beteiligt. Sie lassen uns gleichermaßen Bewegungen und Haltung fühlen.

Im Bereich der Zahnwurzeln befinden sich Rezeptoren, das sind Zellen die die Reizleitung ermöglichen. Diese Rezeptoren leiten bei jedem Zahnkontakt Informationen an das Nervensystem weiter und ermöglichen so im Zusammenspiel mit Muskeln, Bändern und Gelenken die Basis einer gezielt gesteuerten Bewegung des Kiefers.

In der ganzheitlichen funktionellen Kieferorthopädie kommt gerade dieser Fühl- und Führungsrolle der Zähne, Muskeln und Kiefergelenke eine besondere Bedeutung zu, denn sie steuert letztendlich unsere Mundmotorik und damit alle Grundfunktionen, die über den Mund geschehen, wie Atmung, Verdauung und das Sprechen.

In der nächsten Folge erfährst du unter anderem wann der beste Zeitpunkt für eine ganzheitliche Behandlung ist und wie so eine Behandlung aussieht.

Ich bin Dr. Elmar Jung mit dem Podcast für deine beste Gesundheit.

Alles Gute und bis zum nächsten Mal.


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